Wofür brauchen wir Vitamin C?

von Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Vitamin C ist ein starkes Antioxidans. Es schützt biologische Strukturen vor Angriffen von freien Radikalen (aggressiven Molekülen) und vor Oxidationsprozessen.

Weitere Wirkungen:

  • Vitamin C verbessert auch die Eisenaufnahme aus dem Darm.
  • Vitamin C hat eine Schlüsselstellung bei der Kollagensynthese und ist daher wichtig für Aufbau und Erhalt von Haut, Zähnen, Nägeln und Haaren.
  • Vitamin C verhindert die Bildung von krebserregenden Nitrosaminen im Magen-Darm-Trakt.
  • Vitamin C stärkt das Immunsystem gegenüber bakteriellen und viralen Infektionen, indem die Produktion von Antikörpern und Interferon sowie die Funktion der weißen Blutkörperchen gefördert wird (diese enthalten von allen Körperzellen bei Weitem am meisten Vitamin C).

Der Körper hat keine nennenswerten Vitamin C-Speicher.

Wir müssen es also praktisch täglich in der benötigten Menge zuführen. Wenn wir längere Zeit kein Vitamin C aufnehmen entsteht bereits nach wenigen Tagen ein bedeutsamer Vitamin C - Mangel. Das Immunsystem wird schwach, wir werden anfälliger für Infekte. Die Kollagenbildung ist beeinträchtigt, darum fallen z. B. die Zähne aus.

Ein englischer Landarzt erkannte schon im 18. Jahrhundert, dass frisches Obst und Gemüse einen Stoff enthalten müsse, der diese für die Seefahrernation England und die einzelnen Seeleute unangenehmen Erscheinungen verhindern kann. Er forderte, dass alle Schiffe viel Obst, Gemüse und Sauerkraut bunkern und die Seeleute regelmäßig damit versorgt werden sollten.

Wenn Vitamin C so gesund ist, warum streiten sich die Wissenschaftler eigentlich so heftig um die richtige Dosis? Und was ist überhaupt die "richtige Dosis"?

Niemand kann heute genau sagen, wie viel Vitamin C wir täglich wirklich benötigen. Die Zufuhrempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wurde vor einigen Jahren von 75 auf 100 mg täglich heraufgesetzt. Orthomolekulare Mediziner - also Ärzte, die sich mit den "richtigen Nährstoffen", mit Nahrungsergänzungen, professionell befassen - fordern hingegen ein bis mehrere Gramm täglich. Linus Pauling, der zweifache Nobelpreisträger und "Vitamin C - Papst" nahm täglich 18g ein! Wir wissen nicht, ob er recht hatte, aber als er mit weit mehr als 90 Jahren starb, hatte er immerhin einen großen Teil seiner Kritiker überlebt...

100 mg ist die Dosis, die sicher einen Vitamin C-Mangel vermeidet.

Nicht mehr und nicht weniger. Wollen wir hingegen antioxidative Effekte erzielen, den Körper damit möglicherweise vor Krebs, Herzinfarkt, Rheuma, Asthma und weiteren Erkrankungen schützen, von denen wir heute wissen, dass sie mit Oxidation zu tun haben, so reichen diese 100 mg wohl bei Weitem nicht aus.

Was wenige wissen: Vitamin C ist im Tierreich gar kein Vitamin, da es Hunde, Katzen, Pferde und fast alle anderen Tierarten selbst herstellen können. Lediglich das Meerschweinchen, die Menschenaffen und wenige andere Tierarten, sowie der Mensch sind auf eine regelmäßige Zufuhr von außen angewiesen. Wir nehmen heute an, dass unsere Vorfahren vor mehreren Millionen Jahren reine Vegetarier mit einer sehr hohen Vitamin C - Aufnahme waren. Sie waren also gar nicht mehr auf die Eigenproduktion angewiesen. Durch eine Mutation verlor unser direkter Ahne die Fähigkeit der Vitamin C-Produktion.

Jeder zweite Deutsche führt zu wenig Vitamin C zu.

Heute sind wir (in der Regel) keine Vegetarier mehr und haben bereits Probleme, unsere tägliche DGE-Empfehlung zu erfüllen. 75 mg erreicht man bereits mit einer Kiwi am Tag.

Die Studie (bei anderen Nährstoffen schaut es teilweise noch katastrophaler aus) verschwand dann rasch in irgendwelchen Schubladen, die Ergebnisse wurden nie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Warum nicht? Konsequenterweise müsste fast die gesamte Bevölkerung ihre Ernährung komplett umstellen oder wir müssten alle Nahrungsergänzungen schlucken - beides ist gesundheitspolitisch nicht erwünscht.

Wenn wir wirklich wissen wollen, wie viel Vitamin C wir benötigen, so schauen wir doch einfach ins Tierreich. Wie viel Vitamin C bilden denn 75 kg schwere Säugetiere täglich? Egal ob wir kleine Kälber oder große Hunde untersuchen: 75 kg schwere Säugetiere produzieren täglich etwa ein bis zwei Gramm Vitamin C. Und wenn sie krank sind, sogar weit mehr als zehn Gramm!

Das scheint die optimale Dosis zu sein. Mit einer sehr obst- und gemüsereichen Kost können wir tatsächlich an eine Aufnahme von einem Gramm herankommen. Mehrere Gramm sind auf Dauer kaum realisierbar. Wir sollten also alle mit weit mehr Obst und Gemüse als derzeit durchschnittlich verzehrt wird eine gute Vitamin C-Grundlage bilden (auch wegen der vielen anderen, wertvollen, so genannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffe). Ganz sicher gehen wir, wenn wir etwa 1,5 bis 3 Gramm zusätzlich einnehmen. Da die Halbwertszeit (die Zeit, in der die Hälfte abgebaut oder ausgeschieden wird) von Vitamin C im Körper nur wenige Stunden beträgt, sollten wir diese Dosis auf drei Portionen verteilen, z.B. dreimal täglich eine Messerspitze Biores Vitamin C-Pulver in Wasser oder Fruchtsaft.

Bei welchen Erkrankungen / Störungen kann ich Vitamin C anwenden?
  • Bei verzögerter Wundheilung nach Verletzungen oder Operationen.
  • Alle bakteriellen oder viralen Infekte sollten Sie frühzeitig und hoch dosiert mit Vitamin C behandeln.
  • Krebsvorbeugung
  • Bei Arthrose (Gelenkverschleiß) zur Förderung der Kollagen- und Knorpelbildung.
  • Bei Arthritis (z.B. Rheuma) als Oxidationsschutz wegen des hohen Anteils freier Radikale bei Entzündungen.
  • Bei allen anderen Entzündungen (z.B. Colitis, Morbus Crohn, Asthma, Multiple Sklerose, Neurodermitis) verbraucht der Körper - je nach Stärke der Entzündung - mehr Vitamin C.
  • Zur Vorbeugung und Behandlung von Arteriosklerose wegen des Oxidationsschutzes. Nur oxidiertes Cholesterin lagert sich an die Gefäßwände ab.
  • Bei Allergien fördert Vitamin C den Abbau von Histamin, welches bei der Allergiereaktion eine entscheidende Bedeutung hat.
  • Beim Katarakt (Grauer Star) haben Vitamin C-Dosen von über 300 mg welche über einen Zeitraum von mehreren Jahre eingenommen werden eine Schutzwirkung.
  • Erhöhter Methämoglobingehalt im Kindesalter sowie Harnsteine aus Cystin sind weitere, eher seltenere Anwendungsgebiete.

Welche Nebenwirkungen hat Vitamin C?

Auch bei einer Zufuhr von 10 g - das ist das Hundertfache der empfohlenen Dosis - ist Vitamin C meist gut verträglich. Auf einige Nebenwirkungen müssen wir dennoch achten: Ist die Dosis zu hoch, so rauscht es einfach durch und wir bekommen Durchfall. Dann sollten wir die Dosis zurücknehmen, bis sich der Stuhl wieder normalisiert. Nebenbei: Bei akuten Entzündungen vertragen wir oft ein Mehrfaches dessen, was sonst zu Durchfall führen würde - wir nehmen dann mehr auf und verbrauchen auch mehr.

Wer magenempfindlich ist kann Probleme bei der Einnahme größerer Mengen bekommen (Vitamin C = Ascorbinsäure). Sie sollten dann ein gepuffertes Vitamin C (z.B. Kalzium- oder Natriumascorbat) nehmen.

Wer Vitamin C als ein in Flüssigkeit gelöstes Pulver oder als Brausetablette einnimmt, sollte anschließend den Mund gut ausspülen. Die Ascorbinsäure kann sonst den Zahnschmelz angreifen.

Immer wieder wird berichtet, dass hohe Dosen von Vitamin C zu Nierensteinen führen. Diese Befürchtung resultiert aus theoretischen Überlegungen und konnte in Experimenten nicht erhärtet werden.

Ist natürliches oder künstliches Vitamin C besser?

Das beste Vitamin C ist das, welches wir im natürlichen Verbund des Lebensmittels aufnehmen.

Reich an Vitamin C sind:

  • Obst, besonders Johannisbeeren, Sanddorn, Hagebutten, Kiwi, Zitrusfrüchte und der Vitamin C-Weltmeister, die Acerola-Kirsche
  • Gemüse, besonders Paprika, Brokkoli, alle Kohlsorten (z.B. Sauerkraut)
  • Frische Kräuter, besonders Petersilie
  • Kartoffeln
  • Von den tierischen Lebensmitteln haben nur Leber und Niere einen nennenswerten Gehalt.

Bei Einnahme von Nahrungsergänzungspräparaten gilt: Vermutlich ist natürliches Vitamin C (z.B. aus der Acerola-Kirsche) um einige Prozent wirksamer, wenn es noch im Verbund mit den natürlichen Flavonoiden vorliegt. Hierdurch wird die Aufnahme wohl etwas gesteigert. Überzeugende Studien gibt es hierzu allerdings meines Wissens nicht. Ist die Ascorbinsäure erst einmal in der Blutbahn - und auch synthetisches Vitamin C gelangt nachweislich dorthin - kann der Körper selbstverständlich nicht mehr erkennen, ob das Ascorbinsäuremolekül aus der Acerola oder der Retorte stammt. Die Frage nach natürlichem oder synthetischem Vitamin C ist für mich weniger eine medizinisch-wissenschaftliche als eine ideologische Frage. Wer die natürliche Herkunft favorisiert und dafür einen mehr als zehnmal so hohen Preis zu bezahlen bereit ist, soll guten Gewissens zum natürlichen Vitamin C greifen. Der Konsument von "Billig-Vitamin C" braucht deshalb kein schlechtes Gewissen zu haben - es wirkt (fast) genauso gut.

Teile dieses Beitrages sind dem Kap. Nährstoffliste des "Handbuch Naturheilkunde" entnommen, welches neben vielen anderen wichtigen naturheilkundlichen Tipps auch die wichtigsten Infos über alle lebenswichtigen Nährstoffe enthält.

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